Wohnhaus in London

Ein eigenes Haus bauen – das war der sehnliche Wunsch des jungen Architektenpaares. Dass es klein werden würde, war wegen des geringen Budgets von Anfang an klar. Auch die Suche nach einem geeigneten Grundstück zog sich wegen des überhitzten Immobilienmarkts und überteuerter Grundstückspreise in die Länge. Schließlich investierte das Paar den Großteil seines Geldes in ein kleines Restgrundstück im beliebten Stadtteil Camden. Auf der nur 38 m2 großen Fläche stand früher eine Garage. Die strengen Bauvorschriften aufgrund der unter Ensembleschutz stehenden Nachbarbauten aus spätviktorianischer Zeit grenzten Bauhöhe und Materialauswahl stark ein. So sollte das Haus aus Kostengründen zunächst aus Holz entstehen, schließlich einigte man sich auf schwarzen Ziegel aus Holland, der normalerweise für Industriebauten zum Einsatz kommt. Zwei Lastwagenladungen konnten sich die Bauherren leisten, die dank exakter Verlegeplanung ausreichten. Außerdem entstand kaum Verschnitt und ein teurer Ziegelschneider war nur für zwei Tage nötig. Zuletzt blieb genug Material übrig, um den Boden des kleinen Gartenhofs damit zu belegen. Ebenfalls vom Denkmalschutz vorgegeben waren breite, weiße Fensterlaibungen. Der Vorschlag, stattdessen zwischen den Fenstern zur Straße Marmorplatten zu setzen, wurde angenommen. Aufgrund der starken Maserung und der Einschlüsse sehr preiswert, wirken sie doch edel. Die Recherche über Baustoffe trug insgesamt stark zur Minimierung der Kosten bei. Genaues Nachfragen bei Firmen und Herstellern, welche Einzelelemente und Bearbeitungsschritte besonders teuer sind, ermöglichte es, diese Kosten zu umgehen. So entsprechen die Größen der Fenster der maximalen Wirtschaftlichkeit bei der Herstellung. Die Deckenbalken sind zwar statisch überdimensioniert, brauchen dadurch aber keine aufwändige Brandschutzbehandlung. Für die Küchenschränke kamen nur Verschnittstücke aus MDF zum Einsatz, zudem wurde für das Einschneiden der Türgriffe das entsprechende Werkzeug gekauft. Das war günstiger, als sie in der Schreinerei fertigen zu lassen. Auch der Kauf eines Generators und des Baustellengerüsts erwiesen sich als kosteneffizienter als das Mieten. Eine erhebliche Sparmaßnahme aber war, dass immer einer der Architekten auf der Baustelle anwesend war, mithalf und Probleme sofort mit den Handwerkern lösen konnte. Diese kamen meist von großen Baustellen in der Umgebung. War dort Leerlauf, konnte ohne Anfahrtskosten an diesem kleinen Projekt weitergebaut werden. Mittlerweile hat das Paar sein Haus verkauft und einen guten Preis erzielt. Das neue Heim, das bereits in Planung ist, soll wieder auf ähnliche Weise entstehen, nur diesmal größer und mit höherem Budget.