Eine skulpturale Fußgängerbrücke überwindet seit 2009 das Flusstal, das die portugiesische Stadt Covilhã in zwei Teile schneidet. Aus der Distanz erscheint das Bauwerk als horizontaler, weiß leuchtender Balken auf zwei flächenbündigen, kastenförmigen Stützen. Diese einfache Figur offenbart aus der Nähe eine unerwartet räumliche und konstruktive Komplexität. Der oben offene Brückenbalken wechselt auf 220 Meter Länge zweimal die Richtung und lenkt den Blick des Passanten auf verschiedene Punkte in der Umgebung. Man erkennt nun auch zwei weitere Rundstützen, die durch Bewuchs in der Vegetation des Tals verschwinden werden. Ein ebenso wirksamer optischer Kunstgriff ist der schwarze Anstrich der Brückenunterseite und der angrenzenden Flächen der Pfeiler. Durch diese Maßnahme gewinnt das Bauwerk dramatische Scharfkantigkeit und Eleganz. Konstruktiv kann es als Hybridbauweise aus Stahl, Beton und Holz gelesen werden. Die beiden tragenden Brüstungen sind aus Stahlprofilen zusammengeschweißt und durch HEA-Träger verbunden. Bei den beiden mittleren Pfeilern dient der äußere Stahlkasten als verlorene Schalung für einen Betonkern. Die 40 cm breiten Brüstungen und die Auskleidung der Innenflächen mit afrikanischem Bongossi-Holz erzeugen eine für einen linearen Bewegungsraum ungewöhnliche Aufenthaltsqualität physischer Geborgenheit.
