Als Le Corbusier 1955 seine Wallfahrtskirche Notre-Dame-du-Haut im lothringischen Ronchamp fertigstellt, irritiert er mit seinem Entwurf Fachwelt und Öffentlichkeit gleichermaßen. Der bisherige Verfechter und führende Protagonist einer streng rechtwinkligen Maschinenästhetik konzipiert nun eine eigenartige, plastisch expressive Skulptur mit einem mystisch anmutenden, introvertierten Innenraum. Entscheidend geprägt wird diese Skulptur außen wie innen von einem schweren mächtigen Dach. Ein Dach, das - wie die von Le Corbusier selbst genährte Anekdote weiß - dem zufällig am Strand gefundenen Panzer eines Krebses nachempfunden ist (Abb. 1, 2).