Szenenwechsel: Anbauten in Gent

Mit 250 000 Einwohnern ist Gent nach Brüssel und Antwerpen die kleinste der drei großen belgischen Städte. Die mittelalterliche Innenstadt und die umliegenden, dicht bebauten Wohnquartiere mit ihrem bunten Potpourri an Fassadenmaterialien und -farben sorgen für ein abwechslungsreiches Stadtbild. Neben der heterogenen Struktur des Gebäudebestandes ist die Ausbildung an der ortsansässigen Architekturfakultät der Katholischen Universität Leuven ein fruchtbarer Nährboden für das Entstehen zeitgenössischer Architektur. Außerdem nimmt in Belgien der Erwerb eines Eigenheimes einen deutlich höheren Stellenwert ein als beispielsweise in Deutschland. Kleine Wohnprojekte für junge Familien bilden den Grundstock an Aufträgen für neu gegründete Büros und erleichtern den Einstieg ins Berufsleben. In dieser aktiven und gut vernetzten lokalen Szene entwickelt sich ein Stil, der geprägt ist von radikalen Lösungen, roher Materialität und einer collageartigen Bildhaftigkeit. Was auf den ersten Blick als eklektische Fügung von billigen Einzelteilen erscheinen mag, entwickelt sich bei genauerer Betrachtung zu einer bestechend ehrlichen Entwurfsmethodik, die von konstruktivem Sachverstand und einem ausgeprägten räumlichen Verständnis zeugt.